Eine Frau auf der Suche nach mehr Gelassenheit!





Mittwoch, 30. Juli 2014

2. Warum ich keine anderen Blogs zu den Themen Zen oder Buddhismus lese? - Oder: Wer hält die Messlatte?

Ich gestehe, ich liebe eine gute Vorbereitung. Ich lese mich gerne in Themen ein, informiere mich gerne umfassend. Doch bis heute habe ich mich noch nicht daran gegeben, andere Blogs zu der Thematik Zen oder Buddhismus zu lesen. Klar, ich habe Bücher zu diesem Thema gelesen, auf Youtube Videos von Zenmeistern oder zu buddhistischer Praxis gesehen, Vorträge und Seminare zu diesem Thema besucht. Aber bisher habe ich noch nicht einen Blog zu diesem Thema besucht.

Das hat einen einfachen Grund: Ein Blog ist ein sehr privater Bereich, in dem der Blogger in Art eines Tagebuchs seine eigenen Gedanken und Beobachtungen darlegen kann. Es ist aber auch ein Bereich der Selbstdarstellung, der unweigerlich einen Bezugsrahmen, eine Art Messlatte darstellt.

Ich lese gerne und regelmäßig Blogs, die sich mit den Themen Nähen und Maschinensticken beschäftigen. Viele, viele Blogger - überwiegend Frauen - stellen mehr oder weniger regelmäßig die Ergebnisse ihrer Kreativität online. In den Blogs lese ich, was die eine genäht oder die andere gestickt hat, welche Schnittmuster neu sind, oder welche Stoffe aktuell auf den Markt gekommen sind. Mich interessiert das sehr, ich merke aber auch, wie überfüllt und überfrachtet ich mich fühle, wenn ich mich wieder einmal einen Abend durch die ganzen tollen Ideen gewühlt habe. Von den interessantesten Ergebnissen mache ich oft Screenshots, die ich in meinem Computer im Ordner: "Ideen" abspeichere, um sie vielleicht irgendwann einmal so oder so ähnlich nachzuarbeiten. Und dieser Ordner wird immer voller. 

Dann sitze ich aber vor meiner Nähmaschine und weiß gar nicht, womit ich anfangen soll. Soll ich nun erst die Tasche nähen mit dem tollen Stickmotiv, dass ich zuletzt als Freebie, also als kostenlose Datei bei der einen Designerin heruntergeladen habe? Oder soll ich mir nicht endlich mal die Hose nähen, deren Schnittmuster hier schon so lange liegt? 

Was der Inspiration dienen sollte, wird letztlich zum Hemmschuh meiner eigenen Kreativität! Der Anspruch an meine eigenen Werke wächst mit der Perfektion, die die bei Facebook und Co. geposteten Werke vorgeben - und damit auch meine Frustration, wenn ich als Hobby-Schneiderin nicht so gerade Nähte oder so perfekte Stickereien hinbekomme. 

Mein kleiner Zenmeister lächelt dann und fragt mahnend: "Es ist nur ein Hobby! Warum setzt du dich so unter Druck? Wem soll dein Werk gefallen?" 

Eine gute Frage! Letztlich geht es bei solchen Dingen doch nur um Anerkennung. Wer seine Werke im Internet zur Schau stellt, möchte zeigen, was er kann und dafür gelobt und irgendwie auch geliebt werden. Es erfüllt einen mit Stolz, wenn das Selbstgemachte bei Facebook viele "Likes" bekommt oder die Kommentare den höflichen Neid gegenüber der dargestellten Kunstfertigkeit ausdrücken im Sinne von "Nein, wie toll du das hinbekommen hast! Ich hätte das niemals geschafft!" Natürlich möchte auch ich Anerkennung erhalten für meine Arbeit. Nicht nur von den mir im realen Leben unbekannten Mitlesern bei Facebook und Co. Sondern natürlich auch von meinen realen Freundinnen, Familienmitgliedern, von anderen Müttern in der Schule oder von Passanten, die z. B. einer von mir selbstgenähten Tasche einen neidischen Blick zuwerfen. Und auch von mir selbst. Was ist schöner als der Stolz, etwas Schwieriges geschafft zu haben? Die Befriedigung, etwas Tolles erreicht zu haben, ist buchstäblich unbezahlbar! Je höher aber die Messlatte angesetzt ist, an der ich mich orientiere, desto wahrscheinlicher wird aber der Misserfolg! 

Ruhig und sanft spricht mein kleiner Meister zu mir: "Ist das Scheitern nicht auch ein Sieg, wenn du nun weißt, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst?" 

Natürlich hat der weise Mann recht! Bei der Betrachtung der kreativen Blogs entsteht bei mir sofort ein Bild, wie ich mich gerne präsentieren möchte, was ich können möchte und letztlich: Wer ich sein möchte! Denn ich gebe etwas von mir preis, dass das mir unbekannte Gegenüber nicht einfach nachprüfen kann! Niemand sieht den Schweiß und die Tränen, die hinter manchem Kunstwerk stecken! Die Jahre der Übung, die vielen Fehlversuche - natürlich aber auch das Talent, das der eine hat, der andere aber vielleicht nicht in diesem Maße. Vielleicht will man dies Dinge auch nicht sehen. Tatsache ist aber, dass ich sofort eine Messlatte anlege, die mich hemmt, einfach mein Ding durchzuziehen. 

Diesen "Fehler" möchte ich in diesem Blog nicht machen. Also habe ich mir erst gar nicht die Mühe gemacht, eine Messlatte zu suchen, an der ich mich messen kann und an der ich gegebenenfalls nur Scheitern kann. 

Ich sollte nun vielleicht noch versuchen, auch die kreativen Blogs unter der Maßgabe meines kleinen Zenmeisters daraufhin zu untersuchen, wo ich von der wohlwollenden Betrachtung des Werkes eines anderen sofort auf mich und mein Vermögen oder halt auch Unvermögen schließe! 

1. Warum dieser Blog?

Ich bin 44, Vollzeitmama einer Zehnjährigen und eines Achtjährigen, mitarbeitende Ehefrau in der kleinen Firma des Mannes, Eigenheim-Besitzerin, Vorort-Bewohnerin einer deutschen Großstadt, Viel-Leserin, gelernte Lehrerin - halt eine ganz normale Frau mit einem ganz normalen Leben. Äußerlich scheint alles dem absoluten Durchschnitt zu entsprechen: Langweilig, etwas spießig - halt normal!

Doch in mir gibt es so ein kleines Wesen, einen Teil von mir, der die Welt schon immer mit anderen Augen betrachtet hat, als es für den deutschen Durchschnitt normal wäre. In den vergangenen Jahren bin ich dazu übergegangen, diesen Anteil in mir "meinen kleinen Zenmeister" zu nennen. Er beruhigt mich, wenn ich in Hektik falle. Er lächelt, wenn ich mich über Unnötiges aufrege. Er bringt mich zum Schweigen, wenn ich mich über andere Menschen ärgere. Er ermahnt mich scharf, wenn ich Vorurteile äußere oder oberflächlich bin.

Buddhismus und Zen - das sind keine Techniken, sondern eine Haltung: Das vorurteilslose Betrachten und Akzeptieren dessen was ist! Eine Haltung, die ich mir gerne zu eigen machen würde! Eine Haltung, die auch nicht nur auf den östlichen Kulturraum beschränkt ist. Ich beschäftige mich schon seit Studienzeiten mit Religion. Und auch, wenn mich der Buddhismus fasziniert, so glaube ich persönlich sehr wohl an einen Gott und erziehe meine Kinder christlich-katholisch. Ich bin davon überzeugt, dass sich christliche und buddhistische Denkweise sehr wohl und auch sehr gut vereinbaren lassen. Und auch, wenn in meinem Inneren mein kleiner Denker von mir zum Zenmeister erhoben wurde, so habe ich schon christliche Geistliche getroffen, die ein passendes Äquivalent sein könnten. 

Es geht hier in diesem Blog aber um die Haltung. Wie so oft im Leben hinkt der Anspruch ja gerne der Wirklichkeit hinterher. Bei mir bedeutet dies, dass ich eben oft hektisch bin, Unnötiges zu wichtig nehme, mich über andere aufrege und ärgere, Vorurteile habe oder oberflächlich bin. Und dann ruft die Stimme in mir: "Stop! Beende diese Gedanken und komme zu Dir zurück!" Das tut mir gut, aber es wirft die Frage in mir auf, warum ich immer wieder aus dieser Haltung der Akzeptanz und Toleranz herausfalle. Warum verfalle ich immer in dieses schädliche trennende Denken? Weil es alle machen, die mich umgeben? Weil die anderen auch immer hektisch, oberflächlich, verärgert oder ungerecht sind? Es kommt mir oft so vor, dass ich mich der Allgemeinheit anschließe im Motzen über das Wetter, die Politik oder ganz pauschal über die anderen. Ich unterhalte mich und stelle fest, dass ich mich ereifere gegen die anderen. Und dann frage ich mich, worüber ich mich denn unterhalten sollte, wenn diese Themen wegfallen würden. 

Mein Wunsch ist es, meine Gedanken hier niederzulegen. Dabei weise ich ausdrücklich darauf hin, dass dies alles rein subjektiv ist und keinerlei Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit haben soll. Jeder Buddhist wird Löcher in meinen Argumentationen finden können, so wie auch sicher jeder christliche Theologe. Jeder Mensch denkt anders, jeder macht eigene Erfahrungen, hat eigene Einstellungen und Hintergründe. Wer also hier zu Besuch auf meiner Seite ist, den bitte ich, seinen jeweiligen inneren Kritiker milde zu stimmen. In diesem Rahmen freue mich mich aber sehr über Kommentare und Anmerkungen. 
A